SAP Strategie – kein Buch mit sieben Siegeln

Handschlag Kundengespräch Vertragsabschluss

Ja, wir geben es zu. In den letzten 24 Monaten war es vielleicht nicht immer einfach die Strategie der SAP SE im Umfeld SAP HXM zu durchschauen. Aber uns erscheint sie jetzt stringenter als in den Jahren vorher.

Wir haben Juli 2020 – und die SAP SE hat Personaler in diesem Jahr mit keiner Nachricht zu einer Strategieveränderung überrascht. Das war vor 2 Jahren deutlich anders. Damals verkündete die SAP SE fast nebenbei, dass die On-Premise-Lösung im Rahmen eines neuen Side Car-Ansatzes bis 2030 weiter verfügbar sein werde – und eine Vielzahl an unterschiedlichsten Reaktionen ging durch die HR Community:

  • Die zukunftsgläubigen Berater (ja, so wie ich …), die seit geraumer Zeit versucht hatten die Unternehmen von der Schönheit der Cloud zu überzeugen waren wie vom Donner gerührt und ein bisschen blass um die Nase. Denn die Aussage „Bis 2025 müssen sie sich bewegen“ war damit aber sowas von hinfällig. Dafür hatten alle Berater auf die Frage „Wie glauben Sie, dass es jetzt mit der On-Premise-Lösung weitergeht?“ eine einheitliche Antwort – ein überzeugendes Schulterzucken…
  • Gefühlte 97,6% aller Abrechner atmeten erstmal durch – war doch das Schreckgespenst Abrechnung in der Cloud („Nie wird das was Michael“) gefühlt damit endlich vom Tisch. An das breite Grinsen eines (wirklich sehr geschätzten und gemochten) Kollegen werde ich mein Leben lang denken „Tja Michael, meine Rente kriege ich noch mit On-Premise.“
  • Unsere Zeitwirtschaftsexperten schwankten zwischen gefühlter Entspannung und Verwirrung – hatte SAP nicht kurz vorher mit Work Force Software eine extrem leistungsfähige Zeitwirtschaftslösung in der Cloud auf die Preisliste genommen? Würde die On-Premise Zeitwirtschaft jetzt doch weiterleben und ggf. sogar, mit neuen Oberflächen versehen weiter ausgebaut?
  • Talent-Experten aller Unternehmen waren enttäuscht und verwirrt. Jetzt hatten sie sich mit dem Schritt in die Cloud – seitens der Berater empfohlen bis gefordert – endlich gewagt und hatten mit SAP SuccessFactors neue Möglichkeiten kennengelernt, die ein modernes und mitarbeiterzentriertes Arbeiten ermöglichten – und jetzt das? Zurück in die Zukunft Teil 7?
  • Die IT Leiter-Landschaft war sich uneins. Von „Das habe ich immer schon gesagt.“ bis „Das ist nicht deren Ernst.“ haben wir Berater wahrscheinlich alle Reaktionen gehört
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Und heute? 2020 ist fast schon beunruhigend entspannt gestartet, und in dieser Hinsicht auch nicht aufregender geworden (okay, COVID 19 ist sicherlich auch aufregend genug). Ja, die Cloud wird in 2020 zum ersten Mal die lokalen Systeme im Hinblick auf den insgesamt genutzten Speicherplatz überholen, aber für SAP HXM bleibt es ruhig. Die SAP Strategie in diesem Umfeld ist aus unserer Sicht stringenter als in den letzten Jahren. Warum?

  • Die Cloud Ausrichtung der SAP bleibt auch im personalwirtschaftlichen Bereich unumstritten
  • Die On-Premise-Lösung ist als Übergangslösung wieder Teil der S/4 HANA Familie und damit auch Bestandteil der S/4 Roadmap
  • Mit dem Kauf von Qualtrics schließt SAP eine Lücke im Portfolio, die auch SuccessFactors und JAM nicht schließen konnten.

Personaler machen daraufhin, nach meiner Einschätzung, das, was in einer Studie der WHU Otto Beisheim School of Management angeblich „typisch Familienunternehmen“ ist. Sie warten ab. In der genannten Studie wird das allerdings wenig positiv, sondern eher als existenzielles Risiko gesehen. Denn Abwarten heißt in Zeiten, in denen sich der Erfolg eines Unternehmens zumindest auch von seiner zukünftigen technologischen Ausrichtung her entscheidet wahrscheinlich vor allem eins: Einen Marktvorsprung zu verschenken.

Natürlich ist mir bewusst, dass Personaler vielleicht nicht den gleichen Einfluss auf strategische Ausrichtungen des Unternehmens haben, wie bspw. das Unternehmenscontrolling (Warum eigentlich nicht?). Aber unabhängig davon, ist HR der Bereich im Unternehmen, der über leistungsfähige, gut ausgebildete engagierte Mitarbeiter die relevanteste Ressource der Zukunft bereitstellt. Genau deshalb ist abwarten nicht die richtige Reaktion. HR muss aktiv werden und prüfen, wie mit den neuen technologischen Möglichkeiten genau diese Aufgabe noch besser wahrgenommen werden kann. Nicht mehr und nicht weniger. Die SAP-Strategie darf HR also nicht egal sein. Vielmehr sollte geprüft werden, ob und wie Qualtrics eingesetzt werden kann und warum die Umbenennung von SAP HCM zu SAP HXM nicht nur ein Marketing-Gag ist. Vielleicht müssen sogar geprüft werden, warum ein internationaler Ministamm in SAP SuccessFactors Employee Central wichtiger für die Zukunft des Unternehmens ist, als das Beharren auf dem singulären Stammsatz im SAP HCM. Und vielleicht sollten wir nicht nur über die Notwendigkeit von Weiterbildung reden, sondern uns den 44% von Personalleitern mittelständischer Unternehmen anschließen, die laut SAGE in Kürze für Ihre Mitarbeiter maßgeschneiderte Weiterbildungsmaßnahmen anbieten wollen. Wenn wir nicht zu den 44% der Unternehmen gehören, die nach der gleichen Umfrage dasselbe schon tun (https://www.personalwirtschaft.de/der-job-hr/artikel/hr-auf-dem-weg-zu-neuen-aufgaben.html?xing_share=news).

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